Ein Glanzlicht der Moderne

EFH Oesch, St. Gallen CH

Sanierung 2019

"Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten in den 30er Jahren war die Familie Tugendhat 1938 gezwungen, ihre Villa in Brünn (heute Brno, Tschechien und international bekannt unter dem Namen "Villa Tugendhat", geplant von Mies van der Rohe; Anmerk. GMA) zurückzulassen und ins Ausland zu emigrieren. Nach gut zwei Jahren Aufenthalt in St. Gallen führte sie der Weg nach Venezuela (...).

1956, zurück in St. Gallen, betrauten die Tugendhats das Büro Danzeisen & Voser aus St. Gallen mit dem Bau eines Einfamilienhauses in St. Gallen-Rotmonten. Die Architekten zogen den damaligen Stadtbaumeister und Freund der Tugendhats, Hermann Guggenbühl, bei, der sich voller Interesse der herausfordernden Aufgabe hingab. (...)

Das 1956 bis 1958 erbaute, meist eingeschoßige Atriumhaus der Tugendhats ist eines der wenigen Hofhäuser seiner Art in St. Gallen. (...)

Fritz Tugendhat hatte schon beim Bau der Villa Tugendhat in Brünn mit Ludwig Mies van der Rohe Erfahrungen im Bau eines Eigenheimes gesammelt und konzipierte beim Haus in St. Gallen stark mit. Der Bau stieß bei den Anwohneren auf heftige Ablehnung. (...)

Rückblickend darf das Haus als einzigartigen Bau in St. Gallen gesehen werden. Daneben gilt es als schützenswerter Beitrag zur qulitätvollen Wohnarchitektur der 1950er Jahre."

(auszugsweise aus der Wahlfacharbeit 2009 von Thomas Hungerbühler)

1975 wird das Haus verkauft, einige Jahre später wird es wiederum an eine neue Familie weiterverkauft. Das Haus wird stark verändert und ist nicht mehr das, was es einmal war.

Nach akribischen Recherchen, intensiver Auswertung alter Fotografien und Detail-Analysen vor Ort, konnten wir gemeinsam mit den hervorragenden Bauherren die Villa weitestgehend wieder in ihren Originalzustand zurückversetzen.

Ansprüche an das moderne Leben und spezielle Wünsche wurden hinsichtlich der enormen baukulturellen Bedeutung weitestgehend unscheinbar integriert.

 

Fotos Karin Nussbaumer

© 2020 gmeiner & miatto architekten